Diese Frage muss verneint werden, denn in Italien befindet sich dieser Ort nicht, sondern in Istanbul. Hierbei handelt es sich um eine Gated Community, die sich an eine Elite mit globalem Geschmack richtet und ein Gefühl des Mittelmeers hervor bringt.

Selina Meier

Das Tuscan Valley in Istanbul, auch Toskana Vadisi genannt, ist eine Gated Community, die von Emaar Properties auf die Beine gesellt wurde. Sie besteht aus 469 Einheiten, auf einer Fläche von 1,7 Mio. m2. Die Preise sind jeweils in US-Dollar angegeben, was unter anderem auf den internationalen Markt hinweist. Strassen mit Namen wie Lucca sind schön mit Strassenlaternen gezäumt und es gibt gut gepflegte Bürgersteige. Die Landschaft allgemein suggeriert ein Gefühl des Mittelmeers. 

Im Artikel* des Soziologen Albert Fu geht es genau um diese Gated Community. Die erhobenen Daten, die er für die Fallstudie braucht, entstanden durch Beobachtungen und Besuche vor Ort sowie kurzen Gesprächen im Sommer 2013. Die Interaktion waren alle auf Englisch. Direkte Interviews mit den Bewohnerinnen und Bewohnern war ihm aber aufgrund der sicheren Natur des Ortes nicht möglich. Der Zugang zur Wohnanlage und das Fotografieren aber in begrenztem Umfang.

Fu analysiert den Ort vor allem auf wie die Ästhetik von Raum und Ort, die von globalen und politischen Kräften geformt wird und wie diese Formen von Städtebau zunehmend wettbewerbsorientiert sind. Denn das Bedürfnis von transnationalen Eliten in solchen nachgebauten Orten zu wohnen, scheint vorhanden zu sein und mit solchen Gated Communities versuchen Städte den Status von Weltklasse zu erreichen, so auch Istanbul. Diese Transformation von Istanbul ist aber nicht unähnlich zum Rest der Welt.

Spannend ist, dass im Sommer 2013 nicht einmal 50% der Wohnungen und Einfamilienhäuser belegt war und die meisten Grundstücke nicht einmal bebaut waren. Dies führte zu einem krassen Kontrast zu den gepflegten Häusern und den Gehwegen, die Fu beschreibt.

View of Tuscan Valley Street (Source: Author 2013). [Color figure can be viewed at wileyonlinelibrary.com], aus Fu, Albert (2020): Mediterrean Style Gated Communities around the World: Architecture, Globalization and transnational Elites



Wichtig ist, dass diese Gated Community nicht ahistorisch ist, da das toskanische Tal mehr als originale Kopie einer vergangenen Ära angesehen werden kann. So kann gesagt werden, dass das Haus in mediterranem Stil also exotisch wie auch lokal und so repräsentativ für Beziehungen und Interaktionen der Globalisierung stehen können, argumentiert Fu. Der Ort wurde zudem durch sogenanntes Placemaking geschaffen, wobei ein Gefühl/Einstellung für den Ort geschaffen wurde. Nach Fu ist es wichtig zu analysieren, wieso Gebäude aussehen, wie sie aussehen, da erst dann verstanden werden kann, wie das Leben strukturiert ist. Schliesslich sind Gebäude Manifestationen von sozialer Prozesse und kultureller Praktiken, die das Alltagsleben strukturieren.

Fu kommt zum Schluss, dass Eliten im Osten oder globalen Süden solche Häuser/Orte begehren, weil das globale Feld solcher Häuser zu dem machen, was es heisst Elite zu sein. Denn dadurch wird das Gefühl von Luxus evoziert aber auch gelebt. Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass mediterran aussehende GC den Städten also dabei helfen miteinander zu konkurrieren, indem sie den Eliten der Welt das gute Leben überall auf der Welt anbieten.

* Fu, Albert (2020): Mediterrean Style Gated Communities around the World: Architecture, Globalizaiton and transnational Elites.

** Titelbild, aus Fu, Albert (2020): Mediterrean Style Gated Communities around the World: Architecture, Globalizaiton and transnational Elites, View of Tuscan Valley Street (Source: Author 2013). [Color figure can be viewed at wileyonlinelibrary.com].